Norbert Feß von der WM in Sydney zurück

Eine Reise wert war die Fechtweltmeisterschaft der Senioren für den Homburger Fechter Norbert Fess nach Australien.
Nach 27 h Anreise davon 22h Flug von Frankfurt über Honkong erreichte er sein Ziel in Sydney. Zwar müde von der Reise traf er sich noch mit 3 Fechtfreunden die schon 1 Tag früher angereist waren und gemeinsam besuchten sie ein altehrwürdiges engl. Pub in Chinatown. Der Frühling machte sich schon mit 24 Grad bemerkbar und die ersten Eindrücke waren überwältigend.
6 Tage vor seinem Wettkampf hatte er genug Zeit sich zu akklimatisieren und sich ausgiebig die Stadt anzusehen. Zusammen mit seinen Sportkollegen machte er sich auf um die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennenzulernen.
Zuerst ging es zum Circular Quay um den Blick zur Oper und Harbour Bridge zu genießen.
Es folgten in den nächsten Tagen Darling Harbour, Bondi Beach und Manly Beach.
Am 3 Tag ging es zum ersten mal zum Olympic Parc der Olympiade 2000 in Sydney zum Training.
Die Fechthalle lag genau gegenüber dem Olympiastadion. Das Gelände ist mit seinen vielen Sportstätten und dem breiten Olympic Boulevard gigantisch. Palmen gemischt mit blühenden Kirschbäumen säumten die Straße
2 Stunden Training mit seinen Teamkameraden Ralf Prater aus Dresden und Arno Greiner aus Coburg standen auf dem Programm.
Nach dem Training ging es auf den 300m hohen Tower in der City. Das Restaurant dreht sich 1x in der Stunde um die eigene Achse. Der Ausblick am Abend über diese Stadt war einfach überwältigend.
Am Sonntag, dem letzten Tag der WM musste er sich mit dem Florett mit der Weltelite messen.
Da nur 24 Fechter die Hauptrunde erreichten, musste er sich durch eine Qualifikationsrunde kämpfen.
Sein Debut gab er gegen den Japaner Yutaka Yamazaki. Dieses Gefecht konnte der Japaner mit 5:4 für sich entscheiden. Danach unterlag er dem Amerikaner Stephen Gross mit 3:5.
2 Siege waren mindestens notwendig um das Hauptfeld zu erreichen. In 3 Gefecht konnte er nach 3:4 Rückstand gegen den Australier Alex Kaufmann noch mit 5:4 gewinnen. Es wurde immer enger nachdem das 4 Gefecht gegen den späteren Bronzemedaillengewinner Didier Marechal aus Frankreich mit 3:5 verloren ging. Im letzten Gefecht konnte er aber den Briten Paul Lowen mit 5:4 besiegen und qualifizierte sich als Nr. 20 ins Hauptfeld.
Danach ging es in die Direktausscheidung auf 10 Treffer.
Sein Gegner war die Nr. 13, der Russe Ravil Zakirov. In diesem Gefecht war ebenfalls alles offen. Keiner konnte einen Vorsprung von 2 Treffern heraus fechten. Beim Stand von 7:7 war das Zeitlimit erreicht. Jetzt greift eine Vorteilsregel bei der 1 Fechter den Sieg bekommt, wenn in der nächsten und zugleich letzten Minute kein Treffer fällt. Es wird also maximal noch 1 Minute gefochten und der nächste Treffer beendet das Gefecht. Fällt kein Treffer mehr hat der Fechter gewonnen, der den Vorteil hatte.
Norbert Fess hatte den Vorteil und taktierte natürlich mit der Zeit. Noch 20 Sek. waren zu fechten als der Russe energisch angriff. Feß konnte zwar parieren setzte aber seinen Gegenstoß zwischen Arm und Körper des Gegners durch und der Russe konnte im Nachstoß den Treffer setzen. Mit 8:7 gewann er das Gefecht und der Homburger schied aus. Mit dem 20. Platz des Eingangsindex war er aber zufrieden obwohl ein Platz unter den ersten 16 drin gewesen wäre.
Bei einem Sieg wäre sein nächster Gegner der Italiener Mauritio Galvan gewesen. Dieser war Weltmeister 2005, 2006 und auch in diesem Jahr holte er sich den Titel. Galvan hatte den Homburger schon bei der Europameisterschaft in St. Gallen mit 10:3 besiegt und holte sich anschließend den Titel.

Sein Fazit: Ich war bei einer WM, die nicht viele Fechter in ihrer Karriere erreichen und habe einen Platz unter den besten 24 der Weltmeisterschaft erreicht. Als 2.bester Deutscher und 11.bester Europäer beendete er die WM. Zum Abschluss gab es im Olympic Parc Holiday Inn noch ein gemeinsames Abendessen für die Teilnehmer.
Danach machte er sich im Alleingang noch 3 Wochen auf den Weg um einen Teil dieses gewaltigen Kontinents zu erkunden.
Mit dem Greyhound fuhr er die knapp 1000 km nach Brisbane. Mit 2 Zwischenstops und Übernachtungen in Coffs Harbour und Surfers Paradies an der Goldküste erreichte er nach 3 Tagen Brisbane, die Haupstadt von Queensland. Hier blieb er noch 2 Tage um dann weiter nach Norden nach Cairns zu fliegen. Dort am Barrier Reef lagen die Temperaturen schon bei über 30 Grad.
Von dort unternahm er einen Ausflug nach Green Island im Barrier Reef zum schnorcheln.
Diese unglaubliche Unterwasserwelt mit den Korallen und Fischen besuchte er noch mit einem Glasboot.
Weiter ging es mit einer Rundreise durch Tabeland, dem fruchtbaren Farmland in Queensland mit seinen Bananen, Zuckerrohr und Teeplantagen und einem Besuch an den berühmten Walla Walla Wasserfällen. Nach einem Besuch im Botanischen Garten mit Regenwald ging es nach 5 Tagen Cairns weiter mit dem Flugzeug ins 2000 km entfernte Darwin im Northern Territory. Tropische Hitze von 38 Grad erwarteten ihn dort. Da er sich erst nach 3 Tagen einer Reisegruppe in den Kakadu Nationalpark anschließen konnte erkundete er erst mal diese schöne Stadt im Norden. Hier geht alles gemächlicher zu als in Sydney oder Brisbane.
Die Stadt ist mit ihren ca. 120.000 Einwohnern und ganz wenigen Hochhäusern und dem kleinen Zentrum recht übersichtlich.
Allerdings ist durch die Hitze auch in der Nacht das schlafen nicht so leicht.
Pech hatte er bei seinem Trip zum Nightfishing, das nach 2 Std. wegen einem furchtbaren Sturm abgebrochen werden musste.
Das kleine Boot mit 10 Passagieren war fast nicht mehr steuerbar und wurde in Begleitung der Küstenwache in den Hafen gelotst.
Sichtlich befreit gut im Hafen gelandet zu sein und völlig durchnässt nahm ihn eine freundliche Familie mit dem Auto mit in die Stadt.
Übrigens gibt es im gesamten Land an allen Ecken und Enden hilfsbereite, freundliche Australier.
Mit dem Jeep ging es 3 Tage ins Outback in den Kakadu Nationalpark.
Dieses Juwel ist kaum besiedeltes Aboriginesland mit vielen Sehenswürdigkeiten und wilden Tieren. Besucht wurden Termitenhügel, die über 7m hoch und 70 Jahre alt sind. Weiterhin die 200m hohen Jim Jim Wasserfälle, die nur mit dem Jeep durch wildes Land und dann noch 900m zu Fuß über Felsen erreichbar sind. Dort konnte man in der Schlucht baden. Anschließend ging es zu den Twin Falls. Diese sind nur mit einem Shuttle Jeep und über einen Krokodildurchseuchten Fluss mit den Park Rangern zu erreichen. Baden war hier strengstens verboten Dieses von Krokodilen durchzogene Land bietet einfach viele Eindrücke. In Urbirr sind 20 000 Jahre alte Felsmalereien der Aborigines zu sehen. Dort wurden übrigens die Filme über Crokodile Dundee gedreht .
Geschlafen wurde in festen Zelten und die Verpflegung wurde im Jeep mitgeführt und selbst zubereitet.
Zurück in Darwin war der Tag der Abreise gekommen. Mit Wehmut trat er seinen Flug zurück über Sydney, Hongkong, London nach Frankfurt an. Nach 72 Stunden ohne Schlaf, davon 30 Flugstunden kam er wieder zu Hause an.